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New Work: Menschen von den wirtschaftlichen Zwängen befreien

Lars-Thorsten Sudmann
11.01.2020 18:24:29

Was in den 1980er Jahren in einer Kleinstadt in den USA begann, ist heute eine globale Idee: New Work. Vordenker dafür ist Frithjof Bergmann, der auch im hohen Alter weltweit für seine Idee wirbt. Wer ist dieser Mann – und wie schätzt er New Work in der Digitalisierung ein? 

  • Die Idee von New Work ist nicht neu. Bereits Anfang der 1980er Jahre legte Frithjof Bergmann die Grundsteine des Konzeptes.
  • Bei New Work geht es darum, was die Menschen „wirklich, wirklich möchten“ und wie sie das umsetzen können.
  • New Work heute: mehr als nur die intrinsische Motivation entdecken.

New Work ist inzwischen ein gängiger Begriff, der auch in den Sprachgebrauch der breiten Bevölkerung Eingang gefunden hat. Viele dürften sich unter diesem Anglizismus eher junge Hipster am Strand mit Laptop auf dem Schoß vorstellen. Die Geschichte des New Work-Konzepts beginnt allerdings mit aufrüttelnden Ereignissen.

Die Entwicklung von New Work

In der kleinen Stadt Flint im US-Bundesstaat Michigan versuchte eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Gewerkschaftern, einem Priester, Managern und dem damaligen Bürgermeister der Stadt, den Massenentlassungen in der Automobilindustrie entgegenzuwirken. Durch die Computer, die auf beiden Seiten der Fließbänder die Arbeiter ersetzen, würde die halbe Stadt über Nacht arbeitslos werden. Der Vorschlag, der einer Arbeitslosigkeitswelle entgegenwirken sollte, legte den Grundstein für die New Work-Idee: die Arbeit sollte gleichmäßig auf die Bevölkerung aufgeteilt werden, indem jeder sechs Monate im Jahr in den Fabriken arbeiten und die anderen sechs Monate anderweitig nutzen soll. Unter Wortführer Prof. Frithjof Bergmann wurde das erste „Zentrum für Neue Arbeit“ gegründet.

Die 100.000-Einwohner Stadt Flint galt vorher als Inbegriff einer funktionierenden Industrie, in der General Motors (GM) ansässig waren und viele Menschen Arbeit in einem wachsenden und pulsierenden Unternehmen bekamen. „Im Zuge der Automatisierung und Robotisierung Ende der Siebzigerjahre jedoch wurden in der Automobilbranche sehr viele Fabrikarbeiter entlassen. Die Stadt stürzte in eine Depression.”, beschreibt Bergmann die damalige Lage in einem Interview für den österreichischen standard.at.

Er selbst hatte schon in über 20 Berufen gearbeitet und brachte eine breite Erfahrung, wie Arbeit flexibel und im Sinne der Menschen gestaltet werden kann. „Ich dachte mir: Wie können wir aus dieser Situation das Beste machen? Also habe ich den Menschen geraten, sie sollten die Zeit konstruktiv nutzen, um sich zu überlegen, was sie in ihrem Leben wirklich, wirklich wollen“, führt er im Interview aus. Bergmanns Ideen folgten Taten. Nachdem vorerst nicht alle Arbeiter von seinen Vorschlägen angetan waren, ja Skepsis unter den Betroffenen existiert. Was sollten sie schließlich in den sechs Monaten des Jahres machen, in dem sie nicht in der Fabrik arbeiteten. Auf die Verunsicherung folgte allerdings eine Welle der Akzeptanz und Produktivität. Aus den Fließbandarbeiten im beschaulichen Städtchen Flint wurden manche Gärtner, eröffneten Cafés. Bergmanns Lieblingsbeispiel ist der mit Öl verschmierte Arbeiter, der sich nach einem sauberen, weißen Arbeitsplatz sehnte und schließlich ein Yoga-Studio aufbaute, nachdem er die Ausbildung dazu abschloss.

Wünsche unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen

Für Frithjof Bergmann war in der beschriebenen Notsituation nicht etwa das halbe Jahr in Festanstellung wegweisend. Sein Interesse galt den anderen sechs Monaten, die den Menschen jenseits der Erwerbsarbeit zur Verfügung standen. In seinem „Zentrum für Neue Arbeit“ ging er der Frage auf den Grund, welche Wünsche, unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen und Verfügbarkeit, die Menschen in sich tragen. Neue Talente, Fähigkeiten und Werte sollen auf diese Weise herausgearbeitet werden. Erst im zweiten Schritt stand im Mittelpunkt, wie Menschen durch Tätigkeiten, die sie wirklich, wirklich möchten, Einkommen erwirtschaften, um den Lebensunterhalt sichern zu können.

Frithjof Bergmann beschreibt die Essenz von New Work in seinem Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ wie folgt:

„Die Neue Arbeit ist eine Bemühung, diesen Zustand umzukehren. Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen. Die Arbeit, die wir leisten, sollte nicht all unsere Kräfte aufzehren und uns erschöpfen. Sie sollte uns stattdessen mehr Kraft und Energie verleihen, sie sollte uns bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere, stärkere Menschen zu werden.“

New Work in der digitalen Gegenwart

Wiederholt sich die Geschichte im Digitalzeitalter? Machen die Erwerbstätigen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften dieselben Erfahrungen wie die Menschen im Mikrokosmos einer us-amerikanischen Kleinstadt? Bergmann selbst ist sich sicher: das Erlebte von damals wiederholt sich, wohl mit anderen Vorzeichen. Technologien wie der 3D-Drucker, E-Mobilität, Assistenzsysteme und weitere smarte Technologien machen aus dem Konsumenten einen Produzenten, oder in seinen Worten einen Fabrikator. Die Leistung der Eigenproduktion, die Einwohner von Flint in den sechs Monaten abseits der Fabrik leisteten, gehe heute allerdings stärker in eine umfassenden Do-It-Yourself-Kultur über. Hier ist der Mensch nicht mehr Eigenversorger, um sein Überleben abzusichern, wie einst die Menschen in einer Agrargesellschaft. Vielmehr setze er seine Wertevorstellungen und Wünsche um. So schreibt er in seinem Buch, dass das Ziel von New Work nicht sei, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu verändern, dass sie freie und selbstbestimmte Menschen hervorbringt.

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