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Mal wieder knapp: Womit verbringen wir unsere Zeit?

Lars-Thorsten Sudmann
07.02.2020 16:15:00

In einer Kultur des monochromen Zeitempfindens ist jede Minute ein kostbares Gut. 24 Stunden können dabei erschreckend kurz ausfallen. Womit also verbringen Menschen ihre kostbare Zeit? Und wie teilen sie sie auf? Die Zeitverwendungserhebung der Bundesministerien klärt auf.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung werden in unregelmäßigen Abständen sogenannte Zeitverwendungserhebungen (ZVE) durchgeführt. Erfragt werden dabei unter anderem Aspekte wie das subjektive Zeitempfinden – Zeitstress, Zeitkonflikte und Zeitwünsche. Das Ergebnis: Informationen über Lebensqualität, Alltag, Wunsch und Wirklichkeit.

Auf direktem Wege in die Politik

Gewonnene Daten werden aber nicht bloß in der Forschung in Form von sogenannten Scientific-Use-Files und Public-Use-Files für eigene Auswertungen genutzt, sondern finden ihren Weg in die Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik. Denn eines wird schnell klar: Zeit ist im Gegensatz zu anderen wertvollen Gütern wie Einkommen und Konsum nicht steigerungsfähig. Heute zeigt sich dies in der rapiden Beschleunigung des Lebens, die Zeit wird knapp.

Bildungsaktivitäten nur noch auf der Arbeit

Eine ZVE erfragt anhand von Haushaltsfragebögen, Personenfragebögen und Tagebüchern, wie viel Zeit der Mensch für Lebensbereiche wie Beruf, Kultur oder Bildung aufwendet. Bei letzterem wird stets auch auf den Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft geachtet – ein hoher Bildungsstand ist maßgebend für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft und ein essenzieller Wettbewerbsfaktor. Um beruflich erfolgreich zu sein, gilt eine gute (Aus-) Bildung als eine unabdingbare Grundlage.

Durch veränderte Anforderungen des modernen und technologischen Arbeitsmarktes, wandelt sich auch die Bildung zu einem zeitaufwendigen System – frühkindliche Bildung, die verstärkte Einführung von Ganztagsschulen sowie des achtjährigen Gymnasiums (G8), die Zusammenlegung von Schularten bis hin zur Umstrukturierung der Studiengänge an Hochschulen. Laut ZVE 2012/13 hat dies immense Auswirkungen auf Zeitaufwendungen verschiedenster Altersklassen.

Bildungszeit ist Arbeitszeit

Während 10- bis unter 18-Jährige durchschnittlich fast 27 Stunden pro Woche und 18- bis unter 30-Jährige noch fast neun Stunden für formale Bildungsangebote (z. B. Besuch einer allgemeinbildenden Schule oder einer Hochschule) als auch non-formale und informelle Bildung, z. B. Besuch eines Sprachkurses, Hausaufgabenhilfe durch die Eltern, etc., nutzen, ist es bei den 30- bis unter 45-Jährigen nur etwa eine Stunde wöchentlich. Dabei beschreibt die zuletzt genannte Altersgruppe vorrangig Fort- und Weiterbildungen während der Arbeitszeit sowie Kursteilnahmen zur beruflichen und allgemeinen (Weiter-) Bildung als zeitlich bedeutendste Bildungsaktivitäten.

In der Rushhour des Lebens

Auch die Arbeitsbelastung und das subjektive Empfinden von Zeitdruck von Eltern im Beruf wurde mithilfe einer ZVE ermittelt. Das Ergebnis: eine klare Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse nach Geburt der Kinder. Den Höhepunkt der Arbeitsbelastung erreichen laut ZVE Männer und Frauen mit zwei Kindern, wenn das jüngste Kind unter drei Jahren ist. Wie auch die Enge und Verdichtung des Berufsverkehrs in U-Bahn, S-Bahn, Zügen oder auf der Straße, erleben immer mehr Menschen das Phänomen einer enormen zeitlichen Knappheit und Komprimierung in bestimmten Lebensphasen. Forscherinnen und Forscher nutzen hierzu seit einiger Zeit die Metapher „Rushhour“.

Nächster Halt: Familie

Im mittleren Lebensabschnitt (25-40 Jahre) erfahren immer mehr Menschen eine Verdichtung von biografischen Ereignissen auf eine kurze Zeitspanne. Berufseinstieg, Karriereaufbau, Partnerwahl, Gründung eines gemeinsamen Haushalts, Ehe und Familiengründung werden durch eine Investition von Zeit in Ausbildung und Kompetenzentwicklung der nachwachsenden Generation verschoben. So lässt sich feststellen, dass die Gesamtarbeitszeit pro Woche für Eltern mit Kindern im Haushalt durchschnittlich 58 Stunden (inkl. Hausarbeit) und für Paare ohne Kinder 48,5 Stunden beträgt (Statistisches Bundesamt 2015).

Mehr Kultur, bitte!

Auch Kunst und Kultur spielen eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mithilfe der Angaben von mehr als 11.000 Befragten stellt die ZVE fest: Im Durchschnitt verbringen Menschen in Deutschland knapp 22 ½ Stunden pro Woche mit Kultur und kulturelle Aktivitäten. Darunter Fernsehen oder das Schauen von DVDs, das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern oder die Kulturrezeption bei einem Besuch von kulturellen Veranstaltungen und Einrichtungen. Erschreckend ist aber, dass ohne den TV-Konsum, der durchschnittliche wöchentliche Zeitumfang für Kultur auf acht Stunden sinkt. In rund 8.842 Tagebucheinträgen (26%) wünschen sich Befragte mehr Zeit für das Besuchen von kulturellen Veranstaltungen und Einrichtungen.

Wie die Zeit vergeht

Ob nun Zeitstress oder Zeitkonflikt – eines wird zunehmend klar: Ihre kostbare Zeit verbringen Menschen vorrangig damit, die große Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu hinterfragen. Tendenzen zur Verbesserung scheinen im Schatten der Globalisierung und technologischen Entwicklung vorerst nicht umsetzbar. 

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