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Führen ohne Chef: Managing like Swedes!?

Lars-Thorsten Sudmann
10.02.2020 18:01:00

Lange Zeit galt Schwedens basisdemokratische Firmenkultur als vorbildlich. Jetzt wollen junge Schweden keine Chefs mehr werden, ist das schwedische Modell gescheitert?  

  • In schwedischen Unternehmen herrscht eine ausgeprägte Konsenskultur - mit flachen Hierarchien und großer Autonomie für einzelne Mitarbeiter.
  • Die schwedische Firmenkultur ist wesentlich entspannter als die vieler anderer Länder – allerdings auch deutlich weniger entscheidungsfreudig.
  • Jetzt ergänzen Startups das Konzert der freundlichen Riesen. Entrepreneur-Geist lebt außerhalb schwedischer Traditionsunternehmen. 

Schweden ist ein Land der Konsenskultur. Konfrontatives Verhalten und autoritäres Führen gelten als unpassend. Chefs machen möglichst keine „klare Ansagen“, sondern sprechen Wünsche und Empfehlungen aus. Sie werden in Schweden nicht als „Bestimmer“, verstanden, sondern als Coaches ihrer Teams. Chefs helfen den Teammitgliedern, ihre Arbeit optimal zu erledigen. Auf diese Weise haben Mitarbeiter unterer Hierarchieebenen auch wesentlich mehr Autonomie als in vielen deutschen Unternehmen.

Von unabhängigen Bauern zu kooperativen Führungskräften

Abgesehen davon, dass es in schwedischen Firmen sowieso deutlich weniger Hierarchieebenen gibt, wundern sich ausländische Manager hier oft über die große Zahl der Meetings. Bei denen geht es weniger um unmittelbare Entscheidungen, sondern eher darum, alle im Team „mit ins Boot“ zu holen.   

Der Ursprung dieses spezifisch schwedischen Wegs, Organisationen zu führen und zusammenzuarbeiten, liegt in der Geschichte begründet. Aufgrund des rauen Klimas am nördlichen Rand Europas wurde Schweden vor allem von unabhängigen Bauern bewirtschaftet. Eine machtvolle Aristokratie konnte sich nicht bilden, und so auch keine ausgeprägte Betonung von Ungleichheit.

Auch ohne Revolution

Staat und Armee waren in Schweden bereits früh so genannte Meritokratien, in denen Leistung mehr zählte als Herkunft. Lange vor anderen europäischen Ländern zeichnete sich das Land durch ein hohes Bildungsniveau aus. Auch ohne Revolution entwickelte sich das nordische Königreich so zu einer in hohem Maße egalitären Gesellschaft, in der seit den 1960er Jahren das „Du“ als Anrede allgemein üblich ist.

Die schwedische Variante des Managements ist allerdings kein skurriler Sonderweg, sondern auch ein Erfolgsmodell. Das zeigt sich nach außen deutlich in erfolgreichen schwedischen Unternehmen. Von Ikea bis Volvo – von H&M bis Tetra Pak. So bekam auch die dazugehörige Management-Philosophie schnell mehr Gewicht in der Welt.

Mit der Globalisierung eine Gegenbewegung

Die Idee, Mitarbeiter sollten so viel wie möglich selbständig denken und agieren, war in den 1980ern außerhalb Schwedens keinesfalls Allgemeingut. Auch der lockere Umgang mit Kunden, das „Du“ als Ansprache, galt von Frankfurt bis Chicago eher als exotisch. Inzwischen hat sich vieles geändert. War das Duzen von Kunden und Mitarbeitern bei Ikea anfangs noch etwas Außergewöhnliches, wird es heute von vielen Unternehmen praktiziert. Insbesondere von den Startups des Digital Zeitalters.

Mit der zunehmenden Globalisierung zeigte sich allerdings auch eine Gegenbewegung. Schwedische Unternehmen wurden von ausländischen Konzernen übernommen. Der spezifisch schwedische Management-Stil verlor selbst in seinem Mutterland an Bedeutung. Durch vielfältige internationale Kontakte wurden auch die Schattenseiten der vorherrschenden Konsenskultur erkennbar.

Schnelle Entscheidungen, die Grundlage dynamischer Veränderungen, sind in Schweden nach wie vor schwierig. Charismatische Unternehmensführer wie Steve Jobs oder Bill Gates passen schlecht zum Lifestyle des „Managing like Swedes“. Dazu wurde der schwedische Mittelstand durch die harte Steuerpolitik lange Jahre klein gehalten. Schwedische Erfolgsgeschichten beziehen sich auf Großunternehmen nicht auf mittelständische Hidden Champions.

Vor dem Hintergrund dieser Geschichte, ist es naheliegend, dass Manager in einem der großen Unternehmen zu sein, für viele junge Schweden heute wenig attraktiv erscheint. Warum soll man sich die Bürde des Chef-Seins aufladen, wenn man als Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung ein sehr angenehmes und selbstbestimmtes Leben führt, denken sich schwedische Young Professionals. Dann doch lieber gleich ein Startup gründen und völlig unabhängig von der lähmenden Organisationskultur schwedischer Konzerne sein.

93 Prozent der Unternehmer weniger als fünf Mitarbeiter

So hat sich das skandinavische Land in den letzten Jahren zum Startup-Mekka entwickelt, während schwedische Konzerne um ihren Führungsnachwuchs bangen. In Schweden kommen auf 1.000 Beschäftigte inzwischen 20 Startups. 93 Prozent der 1.2 Millionen schwedischen Unternehmen haben weniger als fünf Mitarbeiter. Vielleicht beginnt auf diese Weise sogar der Aufbau eines schwedischen Mittelstandes.

Das schwedische Managementmodell erhält so Korrekturen, die innerhalb der vorherrschenden Unternehmensstruktur bisher kaum möglich erschienen. Heute existiert das klassische Konsens- und Wohlfahrtsmodell parallel zu einer aufstrebenden Startup-Szene. Hier toben sich ambitionierte junge Leute aus, denen die traditionelle Betriebskultur zu lähmend erscheint.

Auf der anderen Seite hat „Managing like Swedes“ den Rest der Welt zum Abbau von starren und autokratischen Firmenstrukturen inspiriert. Digitale Startups mit ihren lockeren Umgangsformen und sehr flachen Hierarchien leben heute global vieles weiter, was Schweden bereits vor 30 oder 40 Jahren vorgemacht hat. Das Führen ohne Chefs ist also keineswegs tot. Es bedurfte in seinem Ursprungsland nur einiger notwendiger Ergänzungen.  

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