Vorausblick: Lockdown #3

Lars-Thorsten Sudmann
18.12.2020 08:19:09

Neu hier? Hier geht es zur Einführung in unseren Blog: bloola | Zukunft


Nachdem im vorausgegangenen Beitrag der erneute Lockdown zum Jahresende 2020 analysiert wurde, folgt nun der Blick in die Zukunft.

Die große Frage lautet: Was passiert im Frühjahr 2021? Im Hinblick auf den Lockdown bestehen im Grunde drei mögliche Szenarien: der strikte Lockdown wird fortgeführt, gelockert oder komplett aufgehoben.

Auf Seiten von Behörden und Regierung dürfte bei der Beantwortung dieser Frage die offizielle Zahl der täglichen Neuinfektionen ein wesentliches Kriterium darstellen. Alles in allem scheint es unrealistisch, dass die Zahl innerhalb von etwa drei Wochen auf ein extrem niedriges Niveau sinkt. Das lässt sich insbesondere deshalb sagen, weil es über die Feiertage wieder zu vermehren Kontakten zwischen Personen kommen kann. Sollten die Zahlen wider Erwarten doch stark sinken, könnte von einer vollkommene Aufhebung abgesehen werden, um kein Gefühl falscher Sicherheit zu erzeugen. Ansonsten könnten die Fallzahlen durch ein allzu unvorsichtiges Verhalten in Teilen der Bevölkerung schnell wieder ansteigen.

Ein strikter Lockdown stellt allerdings ebenfalls nicht das wahrscheinlichste Szenario dar. Schließlich dürften die aktuellen Restriktionen zumindest eine gewisse Wirkung zeigen. Außerdem würde eine Verlängerung der Maßnahmen der Wirtschaft erheblich schaden und gerade im Bereich kleinerer Betriebe eine Pleitewelle nach sich ziehen.

Insofern scheint ein gelockerter Lockdown das plausibelste Szenario zu sein. Diese Auffassung wird auch im Handelsblatt vertreten. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hält eine Verlängerung bis in den März für wahrscheinlich. Ein längerer Zeitraum dürfte negative Konsequenzen für viele kleinere Unternehmen mit sich bringen.

Welche Auswirkungen hätte also ein erneuter Lockdown light? Für die Wirtschaft blieben die negativen Folgen überschaubar. Schließlich haben viele Unternehmen bereits ihren Modus Operandi angepasst: Home Office ist der Normalfall, viele Meetings finden digital statt und Videokonferenzen ersetzen Geschäftsreisen, insbesondere ins Ausland. Eventuell hätte der Lockdown sogar positive Auswirkungen auf die IT-Branche, deren Bedeutung aufgrund der beschriebenen Umstellungen weiter zunimmt.

Der Einzelhandel und die Gastronomie können hingegen nur hoffen, von einem Lockdown light ausgenommen zu werden. Denn auf Dauer können Online-Handel und Essenlieferungen die hohen Fixkosten, etwa durch Ladenmieten, nicht vollständig kompensieren. Trotzdem stehen schon jetzt vor allem jene Betriebe besser da, die sich an das neue Konsumverhalten ihrer Kunden angepasst haben. Möglicherweise geht ihr Angebot sogar über Online-Shops und Social-Media-Auftritte hinaus. Den nächsten logischen Schritt stellt der Verkauf über externe Online-Plattformen oder direkt über Social-Media-Kanäle dar, wie etwa Instagram. Denn es scheint schwer vorstellbar, dass die Konsumenten ihr Verhalten auf lange Sicht aus der digitalen zurück in die analoge Welt verlagern.

Was die Reisebranche angeht, so hängt diese im Wesentlichen von den behördlichen Verordnungen ab. Eine Aufhebung des Übernachtungsverbotes im Inland würde vor allem den hiesigen Hotels zugutekommen. Sollten sich andere Staaten ebenfalls zu Lockerungen durchringen, könnte auch die Luftfahrtbranche profitieren. Allerdings wird das Flugaufkommen wohl auch in den nächsten Jahren nicht das Vorkrisenniveau erreichen. Dies ist erst wieder nach einer nachhaltigen Eindämmung des Coronavirus möglich.

Im Frühjahr 2021 ist der wichtigste Faktor für das individuelle Verhalten der Menschen vermutlich die Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Impfstoffen. Dabei stellt sich die Frage, ob diese nur geimpfte Personen selbst schützen oder durch Reduzierung der Infektiösität auch deren Umfeld. Je nachdem könnten Geimpfte ein höheres Risiko beim Kontakt zu anderen Menschen eingehen. Unterschiedliche offizielle Regelungen für Geimpfte und Nicht-Geimpfte sind aber unwahrscheinlich. Denn zum einen werden Risikogruppen entsprechend des aktuellen Impfplans priorisiert, wodurch sich nicht jeder Bürger unmittelbar impfen lassen kann. Zum anderen verstieße dies gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Ebenso ist eine Impflicht auch in Zukunft abwegig, da das individuelle Recht auf körperliche Unversehrtheit eine hohe Hürde darstellt. Allerdings können Betriebe wie Restaurants oder Geschäfte von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und Nachweise einer Impfung verlangen. Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Impfkampagne sind die Organisation der Impfungen in den Impfzentren, die logistische Organisation der Kühlkette sowie der Anteil der impfwilligen Bevölkerung.

Alles in allem wird uns das Thema Lockdown also noch eine ganze Weile begleiten. Ein weniger strikter Lockdown im Frühjahr scheint zudem wahrscheinlich. Daher ist man gut beraten, sich weitere Gedanken zu diesem Thema zu machen, um auf absehbare Szenarien vorbereitet zu sein. Auch für uns bietet dies die Grundlagen für weitere Analysen, die wir in diesen Beiträgen durchführen:

1. Teil des Baumdiagramms zum Thema Lockdown

 

Das könnte Dir auch gefallen:

Diese Posts zu Corona

Jetzt per E-Mail für Updates zum Blog anmelden

Bisher keine Kommentare

Lassen Sie uns wissen, was Sie denken.