Aktuell: Lockdown #2

Lars-Thorsten Sudmann
18.12.2020 08:16:57

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Im vorherigen Beitrag stand der Corona-bedingte Lockdown im Frühjahr 2020 im Fokus. Nun soll es um Wiederauflage zum Ende des Jahres gehen.

Seit dem 15. Dezember 2020 gelten in Deutschland, nach einem sogenannten Lockdown light, nun wieder erhebliche Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. Dabei hat die Abstimmung zwischen Bund und Ländern diesmal erheblich besser geklappt, was im Ergebnis zu relativ einheitlichen Regeln im gesamten Bundesgebiet führte. Eine Übersicht der länderspezifischen Regeln ist auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit zu finden. So gelten etwa strengere Kontaktbeschränkungen zur Limitierung der Personenzahl bei privaten Zusammenkünften. Zudem wurden vielerorts zumindest nächtliche Ausgangssperren verhängt, die in Hotspots mit besonders hohen Infektionszahlen nochmals strenger ausfallen. Schulen, Kindertagesstätten, Gastronomie sowie ein Großteil des Einzelhandels mussten außerdem erneut schließen. Des Weiteren wurde von offizieller Seite zum Verzicht auf nicht-notwendige Reisen aufgerufen. An Weihnachten kann man sich zwar geringfügiger Lockerungen erfreuen. Allerdings gelten diese in der Regel bereits nach den Feiertagn und damit zu Silvester nicht mehr.

Grund für die Maßnahmen ist der ungebremste Anstieg der offiziellen Infektions- und Todeszahlen. Deshalb ist das erklärte Ziel, den Inzidenzwert der Corona-Neuinfektionen wieder auf 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen zu drücken. Bei diesem Wert handelt es sich um eine Maßgröße für die Verbreitung einer Krankheit, wobei sie die Menge von Zugängen zu einem Bestand an Kranken beschreibt (siehe Glossar des RKI). Dadurch soll einerseits wie schon im Frühjahr eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert und andererseits die Kontaktnachverfolgung wieder ermöglicht werden (siehe Informationen der Bundesregierung). Denn unter anderem durch die in der zweiten Jahreshälfte erheblich gesteigerte Anzahl an Corona-Tests, haben die Gesundheitsämter mit einem enormen Datenaufkommen zu kämpfen. Dieses lässt sich ohne zusätzliche digitale Anwendungen kaum bewältigen.

Erneut zeigte sich die Wirtschaft keineswegs begeistert von solchen Beschränkungen. Dennoch blieb der große Schock des ersten Lockdowns aus, da sich viele Prozesse innerhalb der Unternehmen inzwischen einigermaßen eingespielt haben. Home Office ist eben nicht mehr nur eine Ausnahme, sondern in vielen Firmen die Regel. Damit einhergehend hat sich auch die digitale Infrastruktur für die Arbeitnehmer verbessert. Des Weiteren wird das Wirtschaftsgeschehen zwischen Weihnachten und Mitte Januar aufgrund der Feiertrage traditional ohnehin heruntergefahren. Auch deshalb dürfte die destruktive Wirkung im Vergleich zum Frühjahr geringer ausfallen.

Der Einzelhandel und die Gastronomie befürchten dennoch erneut massive Umsatzeinbußen. Denn gerade das lukrative Weihnachtsgeschäft findet mit dem erneuten Lockdown ein abruptes Ende. Allerdings hat sich die Online-Präsenz vieler Betriebe in der Zwischenzeit deutlich verbessert. Zum einen erweiterten sie die Angebote zum Online-Shopping. Zum anderen ist auch eine verstärkte Social-Media-Präsenz zur Unterstützung des Marketings wahrzunehmen. In der Reisebranche sieht es allerdings wieder beinahe so düster aus wie im Frühjahr. Flüge und Übernachtungen lassen sich schlicht nicht in digitale Services umwandeln. Allerdings dürften die Fixkosten etwa durch Personalabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben gesenkt worden sein. In vielen Fällen rückt eine Insolvenz allerdings trotzdem immer näher.

Da die deutschen Grenzen sowohl für den Personen-, als auch für den Warnverkehr grundsätzlich geöffnet bleiben, sind Lieferketten weniger beeinträchtigt als zuvor. Doch auch wenn es derzeit keine gravierenden Lieferprobleme gibt, wurde aus China ein Container-Staus vermeldet. Die Transportkapazitäten können schlicht nicht mit dem Output der wiederangelaufenen chinesischen Wirtschaft mithalten.

Insgesamt scheinen die Menschen dem erneuten Lockdown diesmal ohne größere Besorgnis entgegenzublicken. Auch wenn die Einschränkungen über die Feiertage wohl einigen aufs Gemüt schlagen. Gleihzeitig ergeben sich aus dem anhaltenden Boom im Online-Handel einige Nebeneffekte. Er führt was zu einer wahren Flut an Lieferfahrzeugen in den deutschen Innenstädten führt. Gleichzeitig steigt das Müllaufkommen in Privathaushalten durch bestellte Produkte und Speisen.

Interessant könnten die Auswirkungen der stark erhöhten Testkapazitäten auf das individuelle Verhalten sein. In Bayern sind die Tests beispielsweise sogar kostenlos. Möglicherweise wird die Empfehlung zur Isolation vor den Feiertagen weniger ernst genommen, wenn vor der Abreise zu den Großeltern noch sicherheitshalber schnell ein Test durchgeführt werden kann. Zudem könnte die baldige Verfügbarkeit von Impfstoffen ein Gefühl der Sicherheit erzeugen. Die EU-Behörden könnte einen ersten Impfstoff bereits vor Weihnachten zulassen. Laut Gesundheitsministerium besteht das Ziel, zum Jahreswechsel mit dem Impfen zu beginnen. Fraglich bleibt allerdings, wie viele Personen sich einen Impfstoff verabreichen lassen wollen, der in relativ kurzer Zeit entwickelt wurde.

Viele Krankenhäuser erhöhten zudem die Anzahl ihrer Intensivbetten. Allerdings stellt die Materialverfügbarkeit inzwischen nicht mehr wie im Frühjahr den wesentlichen Engpass dar, sondern das Personal. Denn gerade Intensivpatienten bedürfen einer umfangreichen Betreuung. Ein großer Anteil der Intensivbetten ist bereits mit COVID-Patienten belegt.

Auch europäische Nachbarländer haben erneut strikte Restriktionen eingeführt. So gilt etwa in Frankreich ab 20:00 Uhr eine bußgeldbewehrte Ausgangssperre. Zudem sind Gastronomiebetriebe und Freizeiteinrichtungen geschlossen. In den Niederlanden sind ebenfalls nur noch Geschäfte des täglichen Bedarfs geöffnet und es gelten Kontaktbeschränkungen. Eine aktuelle Übersicht der Regelungen im Ausland ist in den Sicherheits- und Reisehinweisen auf der Website des Auswärtigen Amtes zu finden. Insgesamt scheint die Abstimmung auch auf europäischer Ebene diesmal erfolgreicher gewesen zu sein, da sich viele der Maßnahmen ähneln.

Nun geht es darum, aus vergangenen und aktuellen Lockdowns auf mögliche Zukunftsszenarien zu schließen. Hier geht es zum entsprechenden Beitrag:

Vorausblick: Lockdown #3

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